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Vereinschronik

Der Männergesangverein "Eintracht" Falken-Gesäß kann auf eine über 90-jährige Geschichte zurückblicken. Das Gründungsprotokoll vom 4. Februar 1912 führt die Namen von 39 Männern auf, die sich zur Pflege des deutschsprachigen Liedguts zusammenschließen wollten. Dem am 13. Februar 1912 gewählten Vorstand gehörten folgende Vereinsgründer an: Dirigent Lehrer Adam Fischer, als Stellvertreter Lehrer Flath. Präsident: Heinrich Schwinn, Rechner: Peter Kindlein, Schriftführer: Peter Maurer, Diener: Heinrich Seip und die Vorstände Johann Adam Schwöbel, Forstwart Johann Georg Schäfer und Georg Dingeldey.

Die Gründung vollzog sich zu einer Zeit, in der überall auf deutschem Boden Vereine aus der Taufe gehoben wurden, die sich der Pflege des Sports, des heimischen Liedguts und der Förderung des kulturellen Lebens verschrieben. Die Anziehungskraft dieses Gedankens läßt sich aus der Tatsache erkennen, daß die Mitgliederzahl (Aktive + Passive) in den nächsten Monaten auf 82 anwuchs. Diese Zahl ist auch - abgesehen von geschichtsbedingten Schwankungen- über die nun mehr als 9 Jahrzehnte konstant geblieben. Als mit den regelmäßigen Singstunden die Übung kam, besuchte man Nachbarvereine zu Freundschaftssingen, wozu wegen der damaligen Verkehrsverhältnisse oft Pferdefuhrwerke ihren Dienst verrichten mußten.

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges im August 1914 wurde ganz Europa mit dem Leid, den Belastungen und Entbehrungen des Krieges überzogen, was auch für den jungen Verein nicht ohne Folgen blieb, denn viele aktive Mitglieder wurden zum Militärdienst herangezogen und manch einer kehrte nie mehr von der Front zurück. Aus der Kriegzeit liegen uns heute keine Aufzeichnungen mehr vor. Der Neubeginn wurde am 1. Januar 1920 vollzogen und mit wöchtenlich gehaltenenen Singstunden gelang es dem Verein sehr bald, den Stand vor Beginn des Krieges zu erreichen. Zu den Gesangsvorträgen traten Theatervorführungen, mit denen man die Bevölkerung erfreute.

Doch was war ein Verein in der damaligen Zeit ohne Vereinsfahne ? Um diesen Mißstand zu beheben wurde 1922 eine Fahne zum Preise von 18.000 MARK (wohl schon im Zeichen der beginnenden Inflation erworben) die von Herrn Simon Daum gestiftet wurde. Die Fahnenweihe am 13. Mai 1923 stellte einen ersten Höhepunkt in der Vereinsgeschichte dar. Die Wirren der Inflationszeit ließen nun die Aufzeichnungen des Rechners unübersichtlich werden. Die Beträge wurden so groß, daß sie zahlenmäßig den Jahresetat einer Großmacht wie der Vereinigten Staaten heutzutage, überschritten. Doch nach der Währungsreform wurde aus diesen Unsummen ein Kassenstand von 6,26 Mark!

Der 1. Vereinsausflug, der in den Aufzeichnungen erwähnt wird, ging im Mai 1928 nach Bad Wimpfen. 1929 dann nahmen 40 Aktive beim Hessischen Sängerfest in Darmstadt teil. Am 18. Januar 1930 schließlich feierte man die Einweihung eines Klaviers, das für 285,- Mark in Frankfurt gekauft worden war. Anfang der dreißiger Jahre spiegelte sich der wirtschaftliche Niedergang in den Aufzeichnungen wider: "In Anbetracht der Not wurde 1932 kein Vereinsausflug veranstaltet"

Anfang 1933 - nach den letzten demokratischen Vorstandswahlen - begann dann eine Zeit, die sich auch heute noch wie ein Schatten auf unsere Geschichte legt: die 12 Jahre der Hitler-Diktatur. Die nach der Machtergreifung folgenden Ereignisse sind ein Beispiel dafür, wie schnell die Nationalsozialisten das Land unter ihre Kontrolle brachten, wie weitreichend die Veränderungen waren. Sämtliche Vereine und Verbände wurden - wenn kein Verbot erfolgte - "gleichgeschaltet" und ihnen das demokratische Selbstbestimmungsrecht entzogen. Aus dem Vereinspräsidenten wurde der Vereinsführer, der immer erst von amtlicher Stelle in seiner Position bestätigt werden mußte und die Satzung mußte geändert werden. Es ist bedauerlich, daß auf diese Weise versucht wurde, Vereine und Verbände, die sich die Förderung der Volksertüchtigung und der Pflege des nationalen Kulturgutes zum Ziel gesetzt hatten, für völkisches Gedankengut zu mißbrauchen. Unter diesen Vorgängen hatte das gesamte deutsche Vereinsleben zu leiden.

Im selben Jahr unternahm der Verein einen Ausflug zum Niederwald und in der Folgezeit wurden die Bemühungen fortgesetzt, die Freundschaft mit Nachbarvereinen zu pflegen und das kulturelle Leben des Dorfes zu bereichern. Im Januar 1937 beging der Verein im kleinen Kreise das Fest zum 25jährigen Bestehen. Auf der Feier wurde zu Ehren des anwesenden Dirigenten des MGV - Herr Adam Fischer - der Gründungschor "Im Feld des Morgens früh" dargebracht.

Im Sommer 1938 wagte der ganze Verein einen Sängerausflug nach Stuttgart. Mit zwei Omnibussen und einem Personenwagen ging die Fahrt das Neckartal hinauf nach Heilbronn. Doch danach fing ein Ominibus an zu streiken und schon fürchtete man, daß die Fahrt zumindest für die Hälfte der Teilnehmer zu Ende sein würde, doch nach zweitstündiger Reparatur konnte die Fahrt fortgesetzt werden. Froh vermeldet der Vereinschronist deshalb: "Und so sahen wir Stuttgart bei Nacht" - Erst um ein Uhr nachts kamen die Ausflügler wieder zuhause an.

Vom September 1939 an wurde Europa erneut von einem verheerenden Krieg heimgesucht, der bislang nie gekanntes Unheil, Leid und Verwüstungen auf der ganzen Welt anrichtete. Wieder wurden viele aktive Sänger zum Militär- und Arbeitsdienst heranzogen. 1940 konnten noch 26 Singstunden abgehalten werden, doch bald schon konnte wegen Sängermangel nicht mehr an Wertungssingen teilgenommen werden. 1942 schließlich waren nur noch ganze 4 Singstunden zustande gekommen und 1944 kam das Vereinsleben ganz zum Erliegen. Unbarmherzig forderte der Krieg seine Opfer und viele der Eingezogenen kehrten nicht mehr zurück oder sie sahen ihr Heimatdorf erst nach langer Kriegsgefangenschaft wieder. 1950 - fünf Jahre nach Kriegsende - vermeldet die Chronik die Heimkehr von 8 Männern aus der Gefangenschaft.

Ende 1947 begannen die verbliebenen Sänger mit Wilhelm Vay als Vorsitzenden unter Rückbesinnung auf die ursprüngliche Ziele und Werte mit dem Neuaufbau des Vereinslebens. Lehrer Trautmann wurde als Dirigent gewonnen und die Zulassungsurkunde vom 10. Juni 1948 bestätigt die erfolgreiche Aufbauarbeit. Seit 1953 konnte der Verein wieder regelmäßig an Wertungssingen teilnehmen, bei denen die Sänger durchweg mit den Prädikaten "gut" oder gar "sehr gut" abschnitten. 1957 wurde ein Höchststand von 41 aktiven Sängern erreicht.

Das 50jähige Vereinsjubiläum wurde im Sommer 1962 drei Tage lang würdig gefeiert. 46 befreundete Vereine wurden eingeladen und unter der Schirmherrschaft des damaligen Landrates Ackermann wurde ein reichhaltiges Unterhaltungsprogramm dargeboten. In den 60-iger Jahren gelangte der Chorgesang zu hoher Blüte, sehr gute Wertungen wurden fast zur Regel und mit dem 1. Platz beim Preissingen in Schönau 1966, der in einem starken Feld erreicht wurde - ist eine große Leistung vorzuweisen.

Mit Hans Helfrich, der den Chor seit Oktober 1969 als Dirigent leitet, konnte im Juni 1972 das 60jährige Jubiläum begangen werden. Auf diesem Fest konnte man sogar nochmals den Gründungsdirigenten Fischer begrüßen, der dem Verein damit 60 Jahre lang verbunden geblieben war. Ein Festzug mit 27 Vereinen und -Gruppen, sogar ein Gastverein aus Dortmund war darunter, wand sich durch die Straßen des Dorfes und bei einem Ballonflugwettbewerb wurde Falken-Gesäß bis nach Dänemark bekannt. Auch die 70-iger Jahre waren von reger Vereinsarbeit geprägt. Außer den Sommernachtsfesten - die der Verein gemeinsam mit den anderen Ortsvereinen durchführte - folgten als musikalische Höhepunkte sicher das Chorkonzert mit dem "MGV Liederkranz Gammelsbach" anläßlich der 650Jahr-Feier der Stadt Beerfelden und die Teilnahme am Konzert zum 10-jährigen Dirigentenjubiläum von Hans Helfrich 1979 in Wald Michelbach. Mehrere Jahre hindurch führte der Verein zur Adventszeit im Beerfelder Altenwohnheim sein Können vor und lieferte den Bewohnern somit eine willkommene Abwechslung.


Dr. Hans Juergen Ziegler